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Denken an den Tod

Eindrucksvolles Konzert des Regionalchors Nürtingen

„An den Tod denken, an den eigenen Tod, ist eine wahre Bereicherung und wirkt befreiend.“ So schrieb Phil Bosmans, ein katholischer Ordensgeistlicher aus Belgien, in einem Text. Das ist unpopulär, das reicht noch, wenn der Tod einem unmittelbar begegnet. So denken viele Menschen. Den Eindruck konnte man auch gewinnen, wenn man die spärlichen Zuhörer betrachtete, die am Samstag, 20.Februar, abends in die Neuapostolische Kirche Nürtingen gekommen waren, um einem außergewöhnlichen Konzert ihres Regionalchors beizuwohnen. Dieses Gedicht und vier weitere Lesungen ergänzten die Musik von Heinrich Schütz und Johannes Brahms, die an diesem Abend erklangen.

Im ersten Teil des Konzertes, eingeleitet durch das Choralvorspiel „Wenn wir in höchsten Nöthen sein“ von Johann Sebastian Bach, hatte sich der Chor unter seinen Dirigenten Karsten Ott und Daniel Joos an ein höchst anspruchsvolles Werk gewagt, die Musicalischen Exequien von Heinrich Schütz, deren barocke Polyphonie vom Ensemble höchstes Können abverlangte.  Interessant, dass der erste Teil dieser Trauermusik mit Texten aus dem Alten und Neuen Testament im konzertierenden Stil komponiert ist. So erlebte der Zuhörer ein interessantes Wechselspiel zwischen einer hervorragenden und stimmlich wunderbar zusammenpassenden Solistengruppe, bestehend aus Catharina Witting und Jasmin Joos (Sopran), Timo Schabel (Alt), Marcus Elsäßer und Felix Haberland (Tenor), sowie Dominik Schmolz (Bass), und Chorpartien, deren Homogenität, Präzision, Intonation und Textverständlich höchsten Respekt verdienen. Die Continuogruppe, bestehend aus Daniel Joos (Orgelpositiv), Thorsten Waibel (Kontrabass) und Sandro Belz (Violoncello) begleitete unaufdringlich und klangschön.

Johannes Brahms hatte die Texte für seine Motette „Warum ist das Licht gegeben dem Mühseligen“ selbst aus dem Alten und Neuen Testament zusammengestellt. Die große inhaltliche Bandbreite, vom anklagenden WARUM über die Ungerechtigkeiten der Welt, einen Aufruf zum Lobpreis Gottes, einer Seligpreisung bis hin zum abschließenden „Mit Fried und Freud ich fahr dahin“ bot dem Regionalchor die Möglichkeit, seine unterschiedlichen Klangregister hörbar zu machen.  So überzeugte er durch Klangfülle und Ausdruckskraft ebenso wie durch die Wechsel in zarte Piano-Passagen.

Bleibt am Ende nur ein großes Dankeschön an die spürbare Hingabe aller Mitwirkenden, die dem Publikum einen eindrucksvollen Abend geschenkt haben, allen voran dem Dirigenten des Abends Karsten Ott, der bei den Choralvorspielen auch an der Orgel zu hören war. Ein wenig haben sie damit praktiziert, was Phil Bosmans unter Sterben versteht: „In die Ewigkeit gehen kostet kein Geld und verlangt kein Wissen. In die Ewigkeit gehen verlangt Hingabe, Glaube und Liebe.“