Seit einigen Jahren beteiligt sich die neuapostolische Gemeinde Göppingen an den besonderen Gottesdiensten, die viele Kirchen im Stadtgebiet am Göppinger Heimatfest, dem Maientag, sonntags zeitgleich durchführen. Der Maientag geht auf ein Dankfest für den Frieden nach Ende des 30-jährigen Krieges zurück und wird seit 376 Jahren gefeiert. In den Mittelpunkt dieser Gottesdienste wird daher immer der Friede gestellt. Da die Gemeinde Göppingen 2026 ihr 125-jähriges Bestehen begeht, wurde dieser Anlass dieses Jahr auch genutzt, um im Anschluss an den Gottesdienst ein Gemeindefest durchzuführen und ein paar fröhliche und unbeschwerte Stunden miteinander zu verbringen.
Musikalisch umrahmt wurde der Gottesdienst abwechselnd durch Bläserensemble, Orgel und Gemeindechor. Das Bläserensemble schuf mit dem einleitenden Vortrag von „Lobe den Herren“ gleich eine Grundstimmung der Dankbarkeit, während der Chor mit der Bitte „O Herr, gib Frieden“ auf den besonderen Akzent dieses Tages aufmerksam machte.
Bezirksvorsteher Heiko Stähle, der den Gottesdienst leitete, verstand es, den Bibeltext zu diesem Tag, „Die Freude am Herrn sei eure Stärke“, mit dem Aufruf zum Frieden zu verbinden. Er verwendete als Brücke zwischen den beiden Begriffen eine zu diesem besonderen Gottesdienst vorgetragene Bibellesung aus Philipper 4, 4-9. Apostel Paulus begann dort seinen Aufruf zum christlichen Leben mit den Worten „Freuet euch in dem Herrn alle Wege“ und beendete seine Hinweise mit dem Satz „So wird der Gott des Friedens mit euch sein.“ Der Bezirksvorsteher schlussfolgerte daraus: „Freude ist nicht das Ergebnis vom Frieden, sondern ihr Beginn“. Er machte deutlich, dass eine emotionale Freude in verschiedenen Lebenssituationen nicht von vorne herein gegeben sei, dass aber das freudige Urvertrauen, dass Gott immer an unserer Seite ist und dass er es ist, der etwas Bleibendes schafft, eine beständige Quelle unserer Stärke sind. Das versetze in die Lage, sich in Güte den Blick für den Nächsten offenzuhalten, Liebe für ihn erfahrbar zu machen und sich in der Gemeinschaft zu engagieren. Auf diese Weise werde eine Atmosphäre für Frieden geschaffen. Am Abschluss seiner Ausführungen verwies der Bezirksvorsteher auf das Beispiel der Hummel, die nach allem menschlichem Wissen eigentlich nicht fliegen könnte, aber doch fliegt, weil Gott sie so geschaffen hat. So seien die Freude und der Friede als Ergebnis daraus auch in unserer Zeit nichts Unmögliches, weil sie durch Gottes Hand für uns geschaffen werden.
Die Priester Stefan Göhler und Jan-Philip Heim verwiesen in ihren Predigtbeiträgen darauf, dass Freude und Frieden nicht nur schöne Begriffe seien, sondern mit Gottes Hilfe in der täglichen Praxis immer wieder neu mit Leben und konkretem Handeln gefüllt werden müssen.
Zwei besondere musikalische Akzente umrahmten anschließend das Heilige Abendmahl: Während der Chor als Bußlied eine besondere Fassung von „Seliger Friede“ mit Klavierbegleitung vortrug, klang die Feier mit einem bewegenden Arrangement von „Wenn Friede mit Gott“ für Posaune und Klavier aus. Nach dem Schlussgebet setzte ein Orgelvortrag den musikalischen Schlusspunkt.
Ein Aperitif oder eine Tasse Kaffee überbrückten die Zeit, während fleißige Helfer noch alles zum Gemeindefest vorbereiteten. Der Großteil der Gottesdienstteilnehmer – viele von ihnen in maientäglicher Tracht – nutzten anschließend die Gelegenheit, in und um die Kirche bei angenehmen Temperaturen und bester Stimmung Zeit gemeinsam zu verbringen und sich auszutauschen. Dazu gab es zunächst Fleisch und Wurst vom Grill mit Beilagen und später Kaffee und Kuchen. Sowohl zum Salat- wie auch zum Kuchenbüfett hatten viele Teilnehmer reichhaltig beigetragen.
Weitere Veranstaltungen im Rahmen des Programms zum 125-jährigen Bestehens der Gemeinde sind der offizielle Jubiläumsgottesdienst mit Bezirksapostel Martin Rheinberger am 9. August, zu dem auch alle Ehemaligen herzlich eingeladen sind, sowie ein festliches Konzert im Advent.