Viele Vorbereitungen in musikalischer und organisatorischer Hinsicht, aber auch viele Gebete waren diesem besonderen Tag vorausgegangen, seit im Herbst 2025 bekannt geworden war, dass Stammapostel Jean-Luc Schneider seinen letzten offiziellen Besuch in Süddeutschland am Sonntag, den 15. März 2026 in Kirchheim durchführen wird und der ganze Kirchenbezirk dazu eingeladen ist. Begleitet wurde der Stammapostel von Bezirksapostel Ehrich und den Aposteln und Bischöfen aus Süddeutschland, wohin der Gottesdienst auch per Bild und Ton übertragen wurde. Als Gastapostel waren außerdem Apostel Wladimir Lazarev aus Russland und Apostel Rolf Camenzind aus der Schweiz eingeladen. Vertreter der Stadt, der ACK und anderer Kirchen waren ebenfalls beim Gottesdienst zugegen.
Die Kinder waren die ersten, die den Stammapostel und seine Begleitung freudig im Eingangsbereich der Kirche begrüßten. Mit dem Lied: „Kommt, stimmt doch mit uns ein und lasst uns fröhlich sein!“ gaben sie gleich die Grundstimmung für diesen Tag vor. Der eigens gegründete Projektchor, der sich aus Sängern der Gemischten Chöre des Kirchenbezirks zusammensetzte, das Bezirksorchester, der Bezirksjugendchor und die Orgel stimmten abwechselnd die Teilnehmer in der voll besetzten Kirche wie auch an den Übertragungsorten auf den Gottesdienst ein.
Zu dessen Beginn wurde das Lied „O Jesu Christ, mein Leben“ gesungen. Nach dem Eingangsgebet verlas der Stammapostel das Bibelwort aus Johannes 12, 27.28: „Jetzt ist meine Seele voll Unruhe. Und was soll ich sagen? Vater, hilf mir aus dieser Stunde? Doch darum bin ich in diese Stunde gekommen. Vater, verherrliche deinen Namen! Da kam eine Stimme vom Himmel: Ich habe ihn verherrlicht und will ihn abermals verherrlichen.“ Anschließend trugen Chor und Streicher eine vertonte Bitte aus den Psalmen vor: „Weise mir, Herr, deinen Weg.“
In seiner Predigt wandte sich der Stammapostel zunächst direkt an die Kinder. Er habe von ihnen einen persönlichen Liebesbrief bekommen, verbunden mit der Bitte, ihnen etwas über die Liebe Gottes zu erzählen. Dem kam der Stammapostel gerne nach. Er zeigte als Sinnbild der Liebe Gottes die Sonne, die immer wieder über allen Menschen aufginge, den guten wie den bösen. Wer die Liebe Gottes erleben wolle, müsse aber nahe zu ihm kommen. Zu Gott kommen dürften alle Menschen ohne Unterschied. Er habe immer Zeit, sei niemals müde und ihm sei auch nichts unmöglich. Gott erfülle aber trotzdem nicht alle unsere Wünsche, weil er weiß was gut für uns ist und was nicht. Dann gelte es einfach, ihm zu vertrauen.
Anschließend nahm Stammapostel Schneider Bezug auf den Bibeltext. Jesus sah, als er diese Worte sprach, seine Kreuzigung immer näher auf sich zu kommen. Es ist absolut verständlich, dass er als wahrer Mensch in dieser Situation Angst und Unruhe empfand. In ihm stand die Frage: „Muss das sein?“ Dann erkannte er aber, dass er auf die Erde gekommen war, um sein Leben als Opfer zur Erlösung der Menschen zu bringen; das war sein Auftrag. Darum bat er Gott, er möge in dieser Situation seinen Namen verherrlichen, also sein Wesen zeigen und seine Liebe und Allmacht offenbaren. Verbunden damit war die Bitte: Lass die Menschen auch durch mich und mein Verhalten dich erkennen können. Zeige ihnen schließlich, dass ich dein Sohn bin.
Die Antwort Gottes wies darauf hin, dass sein Vater dies in der Vergangenheit bereits getan habe: Mehrfach bekannte er sich zu ihm als seinem lieben Sohn, in Jesu Wirken und Wundern wurden den Menschen Gottes Liebe und Allmacht geoffenbart. Er sagte ihm aber auch zu, ihm auch in der Zukunft zu helfen und schlussendlich in der Auferstehung vollumfänglich zu zeigen, wer Gott und wer Jesus ist.
Was bedeutet dieser biblische Kontext nun für uns in unserer Zeit, stellte der Stammapostel die Frage. Wir könnten uns wohl nicht mit Jesus vergleichen, aber an ihm orientieren. Auch wir kämen in Situationen, in denen es uns schlecht gehe und die Frage entstünde: „Muss das wirklich sein?“ Hierauf gäbe es heute noch keine Antwort, wir müssen es einfach annehmen. Natürlich dürften wir dabei Gott um Hilfe bitten, um eine Wende der Verhältnisse. Es gelte aber auch, sich bewusst zu machen, dass wir als Kinder Gottes einen Auftrag haben und dafür von Gott erwählt wurden: Wir sollen zeigen, wer Gott ist und wer wir sind. Zum ersten bitten wir zu Gott, er möge uns seine Liebe und Allmacht zeigen und uns helfen. Dann bitten wir, durch unser Verhalten auch andern zeigen zu können, wer Gott ist. Wenn wir in allen Situationen bei Gott bleiben, zeigen wir, wie wichtig er für uns ist. Das zeigen wir auch, indem wir in die Kirche kommen. Das Wesen Gottes gelte es ebenso immer mehr zu offenbaren, indem wir gemeinsam am Einssein arbeiten. Weiter zeigen wir dem Nächsten die Liebe Gottes, indem wir ihm Gutes tun. Schließlich bitten wir Gott, er möge uns sein Wesen auch in der Auferstehung zeigen. Dann werde offenbar, wie groß Gott und Jesus wirklich sind.
Durch den heiligen Geist bekommen wir schon heute eine Antwort auf solche Bitten. Er offenbart uns, wie sich Gott bereits in der Vergangenheit gezeigt hat: In Jesu Wirken und Opfer und indem er bis heute seine bewahrende Hand über die Kirche Christi gehalten hat. Persönlich habe Gott uns bei den sakramentalen Handlungen und bei der Konfirmation wissen lassen, dass wir seine geliebten Kinder sind. Er rufe uns auch dazu auf, nicht zu vergessen, was er schon alles für uns getan hat. Für die Zukunft gelte die Zusage Gottes, so der Stammapostel abschließend, dass Gott weiterhin für uns sorgen und uns schlussendlich die Auferstehung bereiten möchte.
Mit dem Lied: „Selig seid ihr, denn Gott segnet euch“ leitete der Kinderchor den Predigtbeitrag von Apostel Lazarev ein. Der Apostel verwies darauf, dass Jesus auch in diesen schweren Stunden Gott als seinen Vater erkannt habe. So mögen wir ebenfalls nicht vergessen, dass Gott uns in jeder Lebenssituation liebt. Wenn man das Bewusstsein habe, etwas tun zu sollen, werde es beschwerlich. Wenn wir aber sagen: „Ich will“, falle es uns leichter und wir fänden sogar, wenn es uns schlecht geht, Gründe, um zu danken, wie es auch einen Hiob ausgezeichnet habe.
Zum Predigtbetrag von Apostel Camenzind leitete das Orchester mit dem Vortrag von „Ich lobe meinen Gott“ über.
Dieser verwies zunächst darauf, dass er wohl in sonnigen Gebieten wohne und arbeite, aber auch dort nicht immer die Sonne scheine. Dies sei gut so, da gerade Regen dort oft lebensnotwendig sei. Menschen hätten verschiedene Erwartungen, Gott gebe aber im richtigen Moment den Seinen, was sie benötigen. Am Beispiel einer Glaubensschwester, die aus ihrer Heimat fliehen musste und viel Bitteres erlebt hat, zeigte er auf, wie es auch auf unsere Sichtweise ankommt: Obwohl die Schwester früh ihre Mutter verloren hatte, war sie dennoch dankbar, Mutterliebe überhaupt erlebt zu haben und die schwierigen Lebensverhältnisse, die sie durchlebt hatte, ließen in ihr die Erkenntnis wachsen: „Gott ist immer für mich da und bleibt bei mir“. So gelte es auch für uns, unsere Aufgaben in dem Bewusstsein anzunehmen, dass Gott uns nie verlässt.
Vorbereitend auf die Feier des Heiligen Abendmahls rief Stammapostel Schneider dazu auf, sich immer wieder die Größe des Opfers Christi bewusst zu machen und sich dafür dankbar zu zeigen. Das Abendmahl beinhalte für jeden die persönliche Botschaft Jesu, dass er uns liebe, aber auch einen Auftrag gegeben habe: „Zeige den Menschen, wer ich bin und wer du bist“. Im Blick auf die Zukunft sei damit zudem die Verheißung verbunden: „Du bist eingeladen zum Hochzeitsmahl in meinem Reich. Ich komme zu dir.“. Daraus resultiere die Frage, wie wir auf diese Botschaft reagieren, so der Stammapostel.
„Nimmer will ich, Herr dich lassen“, war die Antwort der Gemeinde im anschließenden Bußlied.
Die Abendmahlsfeier wurde musikalisch zunächst durch das Lied „Amazing grace“, vorgetragen durch Oboe und Orgel, eingeleitet. Mit dem Orchestervortrag „Wenn Friede mit Gott meine Seele durchzieht“ wurde die sakramentale Handlung beschlossen.
Bezirksapostel Ehrich bereitete die Gemeinde auf die Feier des Heiligen Abendmahls für die Entschlafenen vor, welches der Stammapostel in die Hände von Apostel Keck und Bischof Gründemann legte. Die feierlichen Augenblicke wurden durch den bewegenden Vortrag des Jugendchores, „God will welcome you“ eingeleitet und klangen mit dem gemeinsam gesungenen Lied „Ich weiß ein herrlich Land“ aus.
Als Nachfolger für Apostel Rheinberger, der Mitte des Jahres die Leitung der Gebietskirche Süddeutschland übernimmt, wurde anschließend der Evangelist Daniel Habich für den Apostelbereich Karlsruhe als neuer Apostel ordiniert. In seiner Ansprache gab der Stammapostel dem zukünftigen Apostel als wichtigste Aufgabe mit, das Evangelium zu verkündigen. Alle Menschen sollten so erfahren, dass Gott sie liebt und will, dass sie auf ewig bei ihm sind. Aufgabe des Apostels sei weiter, den Gläubigen auf diesem Weg zu helfen und selbst ein Vorbild zu sein. Anschließend empfing der neue Apostel Segnung, Heiligung und Vollmacht zu seinem Auftrag.
Nach dem Schlussgebet, dem Segen und einigen Abschiedsworten des Stammapostels fanden sich alle Ensembles zum mitreißenden musikalischen Schlussakkord zusammen: Projektchor, Jugendchor, Kinderchor, Orchester und Klavier brachten in begeisternder Weise das Lied „Herr, du mein Glück“ zum Vortrag, was mit großem Applaus bedacht wurde. Während der Stammapostel und seine Begleitung die Kirche verließen, schloss sich abschließend das Chorlied „I‘m gonna praise my God again“ an.
Allen, die zum Gelingen dieses Festtags beigetragen haben, gilt ein herzliches Dankeschön.