6 Tage unterwegs mit Ottmar.
6. Juni
Ottmars Reisebus, mit 40 Senioren an Bord, startete um 7:00 Uhr an der Kirchheimer Kirche. Freudig erwarteten alle die kommenden Tage. Natürlich legten wir unterwegs einige Pausen ein. Butterbrezel, Hefezopf und Ottmars Drei-Gänge- Menü sorgten dafür, dass alle gut versorgt waren. Die Reiseroute führte über Bregenz-Chur-San Bernadino-Bellinzona-Locarno-Verbania nach Premeno.Hier wohnten wir im Hotel Pian Nava, auf einer Seehöhe von 740 m in den Hügeln von Verbania. Nachdem alle Mitreisenden ihre Zimmer bezogen hatten, erwartete uns ein leckeres Abendessen. Wir freuten uns auf den nächsten Tag.
7. Juni
An diesem Tag stand zunächst der Lago d‘Orta auf unserem Reiseprogramm. Ein beschaulicher See, 13,5 km lang und maximal 2,5 km breit, traumhaft gelegen. Vom Busparkplatz aus fuhren wir mit dem „Kleinen Zug von Orta“ zum Heiligen Berg, der bemalten Ortschaft Legro. Warum der bemalte Ort? Hier sind die Wände vieler Häuser mit gemalten Szenen aus Spielfilmen geschmückt, die hier am Ortasee gedreht wurden. Ein wirklich malerisches Örtchen mit alten Häusern und engen Gassen. Natürlich, die vielen Treppenstufen brachten einige von uns an gewisse Grenzen, aber jeder von uns schaffte es.
Die Piazza Mario Motta, der Hauptplatz des Ortes, mit Cafés, Eisdielen, verspielten Boutiquen und der Anlegestelle der Boote, die zur Isola San Giulio ab- und anlegen, versprühten ihren Charme an alle Besucher. Dieser Ort ist das Schmuckstück des Lago d‘Orta. Hier befinden sich auch zwei sehenswerte Kirchen. Einmal die erstmals 1485 erbaute und in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts wieder errichtete Santa Maria Assunta und dann das Oratorio di San Rocco, eine sehenswerte Kirche mit barocker Ausstattung. Wer noch etwas aufmerksamer durch diesen Ort schlenderte, entdeckte die Villa Bossi, das heutige Rathaus, mit bezauberndem Garten. Ganz vorne am See schließt das Gelände mit einem geschmiedeten Metallzaun ab. Hier verblüffte uns eine Skulptur des deutschen Schauspielers Carl-Heinz Schroth. Er entdeckte während Dreharbeiten in Orta die Schönheit dieses Ortes und verlegte seinen Wohnsitz kurzerhand hierher.
Viele von uns hatten keine Lust auf alte Kirchen und Architektur. Sie erfrischten sich bei einem Eis, oder Cappuccino und erfreuten sich an diesem wunderschönen Fleckchen Erde, dem herrlichen Ausblick auf den See, oder starteten zu einer kleinen Bootsfahrt rund um die Isola San Giulio. Am Nachmittag stand ein Besuch der Villa Taranto auf unserem Programm.
Ein Botanischer Garten, um 1930 von einem schottischen Käpitän gegründet, seit 1952 der Öffentlichkeit zugänglich. Ein Besuch dieses wunderschönen Parks ist nicht nur für Pflanzen-Liebhaber ein Vergnügen. Der Garten liegt auf einer Anhöhe und wir hatten einen unglaublichen Blick auf den See. Nachdem wir das Eingangstor passierten, befanden wir uns in der Nadelbaumallee. Nadelbäume aus aller Welt säumen zu beiden Seiten den Weg, darunter zwei Urweltmammutbäume. Am Ende der Allee erreichten wir den Puttenbrunnen, umgeben von bunten Blumenbeeten, Ziertulpen, Kamelien, Dalien, also heimische Arten und Pflanzen aus aller Welt, wunderbar kombiniert. Durch die Ahornallee kamen wir zum Rhododendronwald, eine unglaubliche Farbenpracht bot sich unseren Augen. Magnolien mit Blüten in erstaunlichen Farben und Formen konnten wir bewundern. Die Lotusteiche mit den wunderbaren Wasserpflanzen, sowie der große Sumpfgarten ließen uns staunen. Ein sehr beeindruckender Nachmittag. Viele Bänke zum Rasten erleichterten uns den Rundgang und so erreichten alle gesund, wenn auch etwas müde den Ausgang. Mit wunderschönen Eindrücken ging es zum Hotel zurück.
8. Juni
Schon im 17. und 18. Jahrhundert war der Lago Maggiore mit seinen Borromischen Inseln ein beliebtes Reiseziel. Und so war er auch unser Ziel an diesem Tag. Eigentlich stand nur die Isola Pescatori auf unserer Liste, die einzige der 12 Inseln im Lago Maggiore, die seit dem 14. Jahrhundert dauerhaft bewohnt ist. Da unsere Seniorenkasse über genug Inhalt verfügte, konnten wir einen Besuch auf der Isola Bella mit einplanen, die „Schöne“ unter den Inseln, mit dem Palazzo der Borromeo. Das Herz dieses Palazzo ist die Galeria Berthier, ein Mosaik mit 130 Gemälden. Der größte Raum im Palazzo erhebt sich über 3 Stockwerke des Gebäudes. Der Thronsaal ist ein wahres Museum der lombardischen Barockkunst. Zwischen all dem Reichtum und der unglaublich schönen Kunstwerke des Fürstenhauses der Borromeo kamen wir uns ganz klein vor. Tritt man aus dem Palazzo wieder ins Sonnenlicht, gelangt der Besucher in den Giardino d‘ Amore, den Garten der Liebe, einen nach strengen Kriterien angelegten Terrassengarten. In strenger Formation bestimmen Buchsbäume und Eibenkegel, unterbrochen von großen Töpfen mit Zitruspflanzen und wunderschön rankenden Spalieren das Bild. Aber dann trauten wir unseren Augen nicht. Weiße Pfaue, einer schöner und stolzer als der Andere, stolzierten durch den Park. Unglaublich zutraulich boten sie ihre „schönste Seite“ den Kameras für ein Foto an. Einfach ein schönes Erlebnis für uns alle. Übrigens gibt es sie nur noch selten.
Dann geht es weiter zur Isola Pescatori. Mit einem kleinen Boot erreichten wir die Insel schnell. Eine Insel voller Kontraste, die einzige der Inseln, die nicht im Besitz der Borromäschischen Adelsfamilie ist. Sie kann daher auch keinen Palast und wohlgepflegte Gärten vorweisen. Sie ist eine Fischerisel die nicht ausschließlich vom Tourismus lebt. Die Insel ist nur 350 m lang und 100 m breit und wird von ca. 50 Menschen bewohnt. Bei einem Rundgang durch die engen Gassen fühlten wir uns in eine andere Zeit versetzt. Währen der niederschlagsreichen Zeit im Frühjahr und Herbst sind die Straßen der Insel überschwemmt, aus diesem Grund befinden sich die Hauseingänge der meisten Häuser in der 1. Etage, welche man über schmale, steile Treppen erreicht. Auch die kleinsten Häuser verfügen über einen langen Balkon. Traditionsmäßig wird an deren Geländern von den Fischern der Fisch getrocknet. Während der Tourismussaison werden in vielen kleinen Lokalen regionale Speisen angeboten, aber natürlich auch Pizza. Ein sehr interessanter Tag für uns.
Nachdem wir mit dem Boot wieder Stresa erreicht haben, wartete dort Ottmars Bus auf uns. Glücklich und voll schöner Eindrücke ging es zum Hotel zurück.
9. Juni
Sonntag. Eine Stunde früher Frühstück als gewohnt.
Unser Bus startete um 8:00 Uhr, denn wir hatten uns vorgenommen, nach Locarno zum Gottesdienst zu fahren. Knapp 1,5 Std. Fahrzeit. Alle saßen pünktlich im Bus. Die Fahrt nach Locarno führte am Ufer des Lago Maggiore entlang, wunderschön, über die Grenze in die Schweiz. Pünktlich erreichten wir Locarno, fanden auch schnell das Kirchengebäude. Die Neuapostolische Gemeinde Locarno teilt sich neuerdings die Kirchenräume mit der Kirche der Siebenten-Tags-Adventisten. Sehr beeindruckend für uns. Da die Adventisten sich am Samstag zu ihren Gottesdiensten treffen und wir Sonntags unsere Gottesdienste abhalten, wird hier ein vorbildliches ökumenisches Zusammenleben praktiziert. Wir hatten uns bei dem dortigen Vorsteher angemeldet, und so war für uns eine Simultanübersetzung vorbereitet. Schnell wurden noch einige Stühle mehr aufgestellt, da mit 40 Gästen dann doch niemand gerechnet hatte. Obwohl keine wirkliche Unterhaltung geführt werden konnte, da wir nur einige Worte italienisch beherrschten und die Geschwister und Brüder kaum der deutschen Sprache mächtig waren, war es ein herzliches Miteinander. Gastfreundlich boten sie uns Cappuccino und Espresso an, bevor wir mit unserem Bus weiter fuhren.
Unser Ziel ist das Verzasca-Tal, auch genannt „Die wilde Schweiz“. Das 25 km lange, smaragdgrüne Tal, wird durch die von großen, wilden Wassern glatt geschliffenen, grün schimmernden Gneisfelsen besonders und einzigartig.
Zunächst halten wir am größten Staudamm Europas, direkt eingangs des Tals, mit einer Höhe von 220 m. James Bond sprang hier einst bei den Dreharbeiten zu „Goldeneye“ hinab. Seitdem kommen viele Touristen hierher, um den ultimativen Kick zu erleben. Wir konnten einige Mutige beobachten, die den Sprung in die Tiefe wagten, uns schwindelte schon beim Zusehen.
Dann ging es weiter ins Tal hinein. Die Straße wurde eng. Einzelne, verlassene Häuser und Ställe, kleine Häusergruppen, ab und zu ein kleines Dorf, ein Gebirgsbach sprudelt über glatte Steine, Wanderwege von einzelnen Wanderern genutzt, wieder verlassene Häuser, niedrige schmale Steinbrücken, Felsen und Wald. Wir fuhren bis zum hintersten Örtchen im Verzasca-Tal, zum Dorf Sonogno, mit alten Häusern und ihren steinernen Dächern, kleinen Fenstern und Türen. Wir fanden ein kleines Heimatmuseum und ein niedliches Lädchen mit Tessiner Kunsthandwerk, selbsthergestellter und eingefärbter Wolle, sowie Strickwaren. Ein enges Sträßlein führt den Berg hinauf, an den alten, aber gepflegten Häusern vorbei. Die Gärten vor den Häusern voller wunderschöner Blumen. Das wunderschöne, kleine Kirchlein war geöffnet. Einige unserer Reisegruppe fanden sich dort zusammen und stimmten unter der Leitung unseres Dirigenten Wolfgang ein Lied an.
Dass sich inzwischen ein starkes Gewitter zusammenbraute, bemerkten wir erst, als es schon zu spät war. Ein wahres Unwetter brach los. Blitz, Donner und Regen. Wer einen Regenschirme bei sich trug, schaffte einigermaßen unbeschadet den Weg zum Bus zurück. Andere wurden wirklich klatschnass. Trotzdem kam niemand zu Schaden. Einige Zeit später saßen wir alle vollzählig im Bus und es ging durchs Tal zurück, zum Hotel. Doch, wie hatte sich unser Tal verändert. Aus dem dahinplätschernden Bach war ein reißender Strom geworden. Überall aus den Felsspalten sprudelten Wasserfälle. Die Natur hatte innerhalb einer Stunde ein anderes Gesicht bekommen.
10. Juni
An diesem Tag machten wir uns auf den Weg nach Domodossola, um von dort mit der Centovallibahn nach Locarno zu fahren. Domodossola, ein typisch italienisches Städtchen. Wir fuhren direkt den Bahnhof an, damit wir den Zug der Centovallibahn rechtzeitig erreichten. In dem Panoramawagen waren Plätze für uns reserviert. Die Centovallibahn wurde 1930 eingeweiht. Eine Schmalspurbahn die zu 2/3 von Italien und zu 1/3 von der Schweiz betrieben wird, aber als ein Unternehmen gilt. Die 52 km lange Strecke verläuft inmitten ursprünglicher Natur. Eine Reise durch Nostalgie und Romantik, über 83 Brücken und durch 31 Tunnel. Sie wird die Fahrt durch die bezaubernden „Hundert Täler“ genannt, entlang tiefer Schluchten und Felsspalten, über eindrucksvolle Brücken, die teilweise so schmal wirkten, dass wir dachten, da passen wir nicht drüber, vorbei an kleinen Haltestationen und idyllischen Dörfern und dann wieder durch endlose Kastanienwälder. Wir erlebten eine abwechslungsreiche, faszinierende Zugfahrt, die wir so schnell nicht vergessen werden.
In Locarno angekommen, konnten wir uns unsere Zeit etwas einteilen. Einige brauchten unbedingt ein kleines Mittagessen, andere stöberten durch die schweizer Geschäfte, um dann sichtlich geschockt von den Preisen, zum See zu spazieren um die wunderbare Aussicht zu genießen.
Etwas später ging es dann wieder zum Hotel. Da der für diese Rückfahrt geplante Stopp in Cannobio im wahrsten Sinne des Wortes durch ein kleines Gewitter ins Wasser fiel, kamen wir sehr zeitig zum Hotel zurück. Einige von uns beschlossen, zum Abschied einen nicht weit vom Hotel entfernten Aussichtspunkt, den Belvedere di San Salvatore, aufzusuchen.
Der Aufstieg zum Aussichtspunkt war nicht besonders steil, aber es ging auch nicht ganz ohne Anstrengung und Schweiß. Oben angelangt begrüßte uns zunächst ein kleines Kirchlein. Wir wanderten weiter durch einen kleinen Park und dann belohnte uns eine atemberaubende Aussicht auf den Lago Maggiore. Umwerfend schön der Blick über Verbania. Wir konnten unseren Blick auch nach einer halben Stunde kaum lösen. Viele steinerne Bänke luden zum Ausruhen ein und unzählige Fotos wurden geschossen. Ein wunderschöner Abschluß unserer Reise.
11. Juni
Unsere Koffer sind gepackt und wurden in den Bus verladen. Nachdem alle Mitreisenden ihre Sitzplätze im Bus eingenommen haben, beteten wir gemeinsam. Unser Dieter sprach das Gebet, dankte für die wunderbaren Tage und bat um den Engelschutz während der Heimfahrt.
Nach unserer ersten Pause rief unser Reiseleiter Klaus zur Wahl unseres nächsten Reisezieles auf. Fünf Ziele standen zur Wahl. Es war schon sehr spannend. Nach der Auszählung stand ein überraschender Sieger fest. Sundern, ein kleiner Ort im Hochsauerland. Also, im nächsten Jahr geht es in die nördliche Richtung, obwohl einige bestimmt nicht so ganz genau wissen, wo Sundern, oder das Sauerland liegen.
Unsere Fahrt ging weiter nach Como, am Comer See. Die hier eingelegte Fahrpause war zeitlich begrenzt, es wurde eine genaue Abfahrtzeit vereinbart. Einige schlenderten zum nahe gelegenen Seeufer, andere wollten unbedingt den Dom zu Como besichtigen. Viel zu schnell war die Zeit vorbei und Ottmar wollte abfahren. Bei der Überprüfung der Reisenden stellte unser Reiseleiter fest, vier Personen fehlen. In so einer großen, unbekannten Stadt kann man sich ja tatsächlich auch verirren. Es wurde telefoniert und beraten. Eine halbe Stunde später waren wir wieder vollzählig und unsere Heimfahrt konnte weiter gehen.
Nach dieser unfreiwillig verlängerten Rast dankte unser Reiseleiter den beiden Schwestern , die uns während der Reise im Bus mit Getränken versorgt haben, im Namen aller, für ihre tägliche Mühe und unserem Ottmar, dass er wieder eine so schöne Reise zusammengestellt und uns gesund nach Hause gebracht hat.
An der Kirchheimer Kirche endete unsere diesjährige Seniorenreise. Eine halbe Stunde später hatten sich alle voneinander verabschiedet und fuhren heim, hoffentlich mit viel Freude und schönen Erinnerungen im Herzen.
Ottmar und unser Reiseleiter Klaus standen noch eine Zeit am leeren Bus, dankbar dafür, dass alle wieder gut zu Hause angekommen waren und mit Plänen für das nächste Jahr.