Ein bewegender letzter Gottesdienst.
Maitis – Mit einem bewegenden Gottesdienst verabschiedeten sich die Gläubigen der Gemeinde Maitis am 19. Februar 2025 von ihrem langjährigen Gotteshaus. Das Kirchenschiff war bis auf den letzten Platz gefüllt, nicht nur von Gemeindemitgliedern, sondern auch von zahlreichen Gästen aus Göppingen, die ein Zeichen der Verbundenheit setzten: Ihr seid bei uns willkommen, wir holen euch ab.
Der letzte Gottesdienst begann mit dem Lied „Nimm Jesus in dein Lebensschiff“ – ein passendes Symbol für die bevorstehende Veränderung. Bischof Jürgen Gründemann, der den Gottesdienst leitete, nahm die Gemeinde bereits im Gebet in die Arme und sprach die tröstenden Worte: „Wir bauen auf dich, der tröstet und den Blick in die Zukunft richtet.“ Als Grundlage für den Gottesdienst las Bischof Gründemann ein Wort aus Prediger 11, Vers 4: „Wer auf den Wind achtet, der sät nicht, und wer auf die Wolken sieht, der erntet nicht.“ Ein mahnendes, aber auch ermutigendes Wort für eine Gemeinde, die sich schweren Herzens von ihrem Heimatort löst, um in Göppingen einen neuen geistlichen Anker zu finden.
Erinnerungen an eine lebendige Vergangenheit
Trotz des Glaubens an einen Neubeginn blieb der Abschied wehmütig. Ein langjähriges Gemeindemitglied, das unzählige Aufgaben in Maitis übernommen hatte, sprach offen über seine Gefühle: „Weißt du, durch den Wegzug vieler Glaubensgeschwister ist die Zahl der Gemeindemitglieder so gering geworden, dass wir selbst nicht mehr alle Aufgaben erledigen können. Wir haben keinen Chor mehr, die Kirchenmitglieder werden immer älter. Deshalb brauchen wir diese Veränderung und freuen uns, in Göppingen künftig eine große Gemeinde zu haben.“
Und doch mischte sich Wehmut in seine Worte: „Wir hatten Zeiten mit großen Festen – größer als in Göppingen – mit über 100 Gästen…“
Priester Erhard Lais blickte in die Chronik der über 100-jährigen Geschichte der Gemeinde und erinnerte an zahlreiche Begegnungen, Gottesdienste und gemeinsame Erlebnisse, die das Gemeindeleben über Jahrzehnte geprägt haben.
Dankbarkeit und Zuversicht
Bischof Gründemann würdigte die jahrzehntelange Geschichte der Gemeinde: „Es ist auf der einen Seite schmerzvoll und traurig, auf über 100 Jahre Maitis zurückzublicken. Viele Opfer und Taten haben den Aufbau der Gemeinde ermöglicht. Doch nichts war vergeblich – es geht an einem anderen Ort weiter.“
Mit bewegenden Worten bestärkte Gemeindevorsteher Gerd Richter die Anwesenden: „Lasst die Dankbarkeit überwiegen und nicht die Wehmut. Alles hat seine Zeit. Aber was ist Zeit? Meine Zeit liegt in deinen Händen. Lasst uns darauf vertrauen, dass Gott Anfang und Ende kennt – und dass er mit uns geht.“
Er verglich den Abschied mit einer Zugreise: „Der Zug endet hier, aber wir haben die Möglichkeit umzusteigen. Und das Schöne ist: Wir kennen uns und bleiben nicht auf der Strecke.“
Mit diesen Worten und in der Hoffnung auf eine starke neue Gemeinschaft in Göppingen schloss sich das Kapitel der Gemeinde Maitis – ein Ort voller Erinnerungen, die die Gläubigen nun in ihr neues geistliches Zuhause mitnehmen.