Es war eine Herzenskirche und keine Kopfkirche.
Am 3. Juli 2024 fand die feierliche Entwidmung der Kirche in Hattenhofen statt, die viele Jahre ein Ort des Glaubens und der Gemeinschaft war. Bernd Gaißert, der 26 Jahre lang als Vorsteher in der Gemeinde tätig war, sprach bereits vor dem Gottesdienst von seinen gemischten Gefühlen. „Wenn ich an die vielen schönen Stunden und Ereignisse zurückdenke, die ich hier erlebt habe, erfüllt mich das mit großer Wehmut“, sagte Gaißert.
Eine Glaubensschwester äußerte sich mit Tränen in den Augen: „Es ist sehr traurig, es belastet mich den ganzen Tag, ja schon die ganzen Wochen. Wir wussten, dass geschlossen wird, da wir schon seit längerem in umliegende Gemeinden pendeln. Es war halt meine Heimat.“
Der Gottesdienst wurde von Bezirksvorsteher Heiko Stähle geleitet. Zur Freude aller konnten auch Bürgermeister Jochen Reutter und zahlreiche Nachbarn begrüßt werden. Als Grundlage des Gottesdienstes las Bezirksvorsteher Stähle aus Johannes 16, Vers 20: „Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Ihr werdet weinen und klagen, aber die Welt wird sich freuen; ihr werdet traurig sein, doch eure Traurigkeit soll zur Freude werden“.
Bezirksvorsteher Stähle stellte fest: „Heute wird sich hier niemand freuen, dass diese Kirche entwidmet wird. Wir verabschieden uns jedoch nicht vom Glauben, sondern von einem Kirchengebäude. Gott allein weiß, welche Schwingungen an diesem Abend die Seele eines jeden Einzelnen durchzieht. Mancher schaut zurück auf sein eigenes Leben, das er in diesem Gotteshaus erfahren durfte. Mancher wurde hier konfirmiert, hat hier geheiratet, seine Kinder wurden hier getauft und vieles mehr. Nun dreht man den Schlüssel um und das tut weh.“
Er lobte auch das freundschaftliche Miteinander der Nachbarn und betonte zum Schluss seiner Predigt: „Es ist richtig, dass man traurig ist und lasst dies auch zu.“
Der stellvertretende Bezirksvorsteher Ralph Mattes dankte den Gläubigen für ihre Treue und erinnerte an die vielen gemeinsamen Feste. Er stellte die Frage: „Kann die Traurigkeit in Freude verwandelt werden? – Ja, denn der Kraftort des Glaubens ist gebäudeunabhängig.“
Bernd Gaißert, der frühere Gemeindevorsteher von Hattenhofen, betonte, dass er sich vom ersten Augenblick an in Hattenhofen angenommen gefühlt habe. „Es war ein schönes und herzliches Miteinander – nehmt das mit“, sagte er.
Bezirksvorsteher Stähle dankte im Namen aller Bezirksämter den ehemaligen Vorstehern, Amtsträgern und allen Glaubensgeschwistern für ihr Engagement. „Wir waren in Hattenhofen eine Herzkirche und keine Kopfkirche – das hat hier in Hattenhofen funktioniert.“
Nach dem Heiligen Abendmahl las Alfred Mackh, einer der ehemaligen Gemeindevorsteher aus der Chronik der Gemeinde. Anschließend fand die Profanierung statt, nach der die Amtsträger mit der Bibel und den Abendmahlskelchen den Kirchenraum verließen. Der Gemischte Chor und die Orgel umrahmten den Gottesdienst musikalisch.
Im Anschluss waren alle zu einem kleinen Imbiss eingeladen, bei dem noch viele Erinnerungen ausgetauscht und die Gemeinschaft gefeiert wurde.
Dieser Tag wird in der Geschichte von Hattenhofen als ein Moment des Abschieds und der Wehmut, aber auch der Dankbarkeit und der Hoffnung in Erinnerung bleiben.
Die Gläubigen fanden ihre geistige Heimat in der neu gegründeten Gemeinde Voralb, zu der auch die Kirchengemeinden Weilheim und Bad-Boll gehören.