Um die Jahrhundertwende war Anna Maria Forschner aus Boll nach Frankental in der Pfalz gezogen, wo sie die Neuapostolische Kirche kennenlernte und in die dortige Gemeinde aufgenommen wurde. Durch ihr Zeugnis in der Familie wurden ihre Schwestern und ihre Eltern eingeladen und besuchten zunächst die Gottesdienste in Göppingen; in jener Zeit musste hierfür ein Fußmarsch von 10 Kilometern zurückgelegt werden. Im Jahr 1920 konnte in Hattenhofen eine kleine Gemeinde gegründet werden und die Boller Gäste besuchten dort im Wohnhaus von Karl Frank die Gottesdienste.
Marie Luise Schöllkopf aus Boll wurde im Zuge ihrer Dienstmädchenzeit in der Schweiz im Jahre 1909 durch Apostel Bock versiegelt und war somit nach ihrer Rückkehr im Jahr 1921 das erste neuapostolische Gemeindemitglied. Aufgrund der folgenden Einladearbeit kamen in den nächsten Jahren weitere Gäste aus Boll in die Gottesdienste, weshalb es angezeigt war, auch vor Ort Gottesdienste durchzuführen. Hierzu stellte die Familie Forschner in ihrem Wohnhaus im Winkel 17 einen Raum zur Verfügung, in dem dann im Mai 1923 Bezirksältester Ricker aus Schorndorf den ersten Gottesdienst hielt – dies kann als Gründungsdatum der Gemeinde angesehen werden.
Am 15. November 1924 wurde Diakon Karl Weeger zum Priester ordiniert und mit der Gemeindeleitung beauftragt. Karl Weeger erwarb im November 1926 ein Gebäude am Kirchplatz 3, in dem dann ein Kirchenraum eingerichtet wurde und von da an regelmäßig Gottesdienste gehalten wurden. Im Jahr 1929 kam Bruder Wilhelm Wagner durch die Heirat mit Mathilde Forschner nach Boll, wo er am 14.12.1930 zum Diakon ordiniert wurde. Diakon Wagner war somit der zweite Amtsträger in der Gemeinde.
Am 18.2.1934 fand in Heiningen der erste Gottesdienst in einer ausgebauten Scheune statt, was zur Gründung dieser Gemeinde führte. Priester Karl Weeger stand neben der Gemeinde Boll auch den Gemeinden Schlat und Heiningen vor.
Im Jahr 1946 konnte unter der Leitung von Edwin Mackh ein Gesangchor gegründet werden. Die Gemeinde nahm eine weitere gesegnete Entwicklung mit nunmehr 92 Mitgliedern, die von Evangelist Karl Weeger, Priester Wilhelm Wagner sowie den Diakonen Alfred Halder und Kurt Gaißert betreut wurden.
Dieses Wachstum führte zu zunehmender Raumnot, sodass die Kirchenleitung 1955 beschloss, am Standort Boll ein eigenes Gebäude zu errichten; diese Kirche im Heckenweg 20 konnte am 19. November 1956 eingeweiht werden.
Evangelist Karl Weeger wurde am 19. August 1964 nach 40-jähriger Amtstätigkeit in der Gemeinde in den Ruhestand versetzt und Evangelist Georg Jauß aus Eislingen mit der Leitung der Gemeinde beauftragt. Er diente bis November 1968 als Vorsteher, bis er mit der Leitung der Gemeinde Eislingen/Fils beauftragt wurde. Sein Nachfolger wurde Bezirksevangelist Kurt Weißenberger aus Göppingen.
Im Jahr 1977 musste das Kirchengebäude grundlegend renoviert werden; der Eingangsbereich wurde erweitert, es kamen Jugendräume im Obergeschoss hinzu und einen neue Zentralheizungsanlage wurde installiert. Während der Bauzeit besuchten die Gemeindemitglieder die Gottesdienste in Hattenhofen bis zum Wiederbezug im Mai 1978.
Bezirksevangelist Kurt Weißenberger wurde am 27.07.1980 von seiner Aufgabe als Vorsteher entbunden, als sein Nachfolger wurde Priester Walter Nagel aus Zell u. Aichelberg beauftragt. Am Ende des Jahres 1980 zählten 148 Gläubige zur Kirchengemeinde, die von 4 Priestern und 3 Diakonen betreut wurden.
Im Jahr 1987 trat Priester Nagel in den Ruhestand, als sein Nachfolger wurde Evangelist Volker Kölle aus Göppingen beauftragt. Volker Kölle ging der Gemeinde als Vorsteher biszu seiner Ordination als Bezirksevangelist für den Kirchenbezirk Göppingen am 12.02.1998 voran; als sein Nachfolger wurde Evangelist Friedhelm Gaißert beauftragt.
Evangelist Gaißert wirkte als Vorsteher der Gemeinde Boll bis 29.06.2006 – danach wurde erneut Volker Kölle beauftragt.
Mit der Schließung der Gemeinde Heiningen im Jahr 2007 erfreuten wir uns am Zuwachs eines Teils der dortigen Geschwister.
Am 17.02.2008 konnte Hirte Wolfgang Kienle aus Albershausen als Vorsteher der Gemeinde Boll, die mittlerweile den Zusatz „Bad“ führte, eingesetzt werden. Er diente bis zum 19.05.2019, als er als Vorsteher der Gemeinde Kirchheim/Teck beauftragt wurde.
Seit diesem Tag steht Hirte Jörg Weißenberger aus Süßen der heute 174 Mitglieder zählenden Gemeinde vor. Das aktive und vielfältige Gemeindeleben wird mitgestaltet von 3 weiteren Priestern und 1 Diakon; und ist zudem geprägt von großem und unverzichtbarem Engagement zahlreicher ehrenamtlicher Schwestern und Brüder.
Es gilt heute mehr denn je, den Gläubigen eine Heimstätte zu bieten gemäß dem Evangelium Christi in Gemeinschaft, Brotbrechen und Gebet.
Hierfür sind wir sehr dankbar; ebenso für Gottes Segen in den vergangenen 100 Jahren. Wir gehen vertrauensvoll in seine weitere Führung in die Zukunft.